Der Posaunenchor vor St Kazimierz. Foto: Posaunenchor

„Dzień dobry!“ – Mit diesem polnischen Tagesgruß lebte sich der Posaunenchor in einem weitgehend fremden Land ein. 21 Bläser und Angehörige, waren vom 13. bis zum 20. Oktober 2018 in Kartuzy, der Hauptstadt der Kaschubei, westlich von Danzig. Am Nachmittag des 14.10. fand das erste Konzert des Chores auf dieser Reise statt. Dabei spielte der evangelische Posaunenchor in einer katholischen Kirche im Zentrum von Kartuzy. In Polen nicht ganz selbstverständlich. Ein interessantes Detail hierbei war sicherlich die Tatsache, dass die Kirche „St. Kazimierz“ bis 1986 die evangelische „Martin-Luther-Kirche“ war. Das sehr gut besuchte Konzert bot sowohl einen bunten Reigen durch das Repertoire des Posaunenchores als auch eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte und über Ländergrenzen hinweg - moderiert in polnischer Sprache durch Martin Ziolkowski (Posaune).

Das Stück „Unfriede herrscht auf der Erde“ von Jofia Jasnota (Polen, 1969) bildete den ersten musikalischen Brückenschlag zwischen den deutschen Musikern und dem polnischen Publikum. Diese Verbindung wurde vom Publikum dankend angenommen und mit viel Applaus quittiert. Im Anschluss an das Konzert gab es noch einen Empfang initiiert durch den Probst der Gemeinde, wo bei Kaffee und Kuchen nicht nur das musikalische Erlebnis, sondern auch die Bedeutung Polens für Europa konstruktiv beleuchtet wurde. Der Konzertbesuch und anschließende Worte des Bürgermeisters der Stadt Kartuzy gibt Aufschluss darüber, welche Bedeutung diese ökumenische Begegnung auch für die Politik hatte.

Auch Danzig mit Mottlau und Krantor besuchte der Posaunenchor. Foto: PosaunenchorNach diesem gelungenen Einstieg hieß es in der Folge natürlich auch „Land und Leute“ kennen zu lernen. So stand als erstes eine Fahrt nach Danzig an, wo im Laufe einer fast dreistündigen Stadtführung neben dem normalen Besichtigen der Stadt auch immer der geschichtliche Hintergrund nach vorne gerückt wurde. Schließlich gehörte Danzig in seiner Geschichte lange zu Deutschland. So ist es nicht verwunderlich, dass sich überall in der Stadt immer wieder Spuren aus diesen Zeiten finden lassen. Den Kontrast zwischen wunderschöner Landschaft, beeindruckenden Denkmälern und dunkler Geschichte, die häufig unter deutscher Beteiligung stattfand, findet man in Polen fast an jeder Stelle. So z.B. in der Marienburg, der größten aus Backstein gebauten Festungsan-lage, die ursprünglich dem deutschen Ritterorden gehörte. Die gewaltigen Ausmaße der Burganlage, sowie die fast vollständig wieder hergestellte Inneneinrichtung hinterließen bei den Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck. Eine Rundfahrt durch die Kaschubei, mit der typischen Seenlandschaft, der „Besteigung“ des Turmbergs (329m) mit kaschubischer Musik ließ die Herzen höher schlagen.

In Szymbark, einem Zentrum für Bildung und regionale Förderung, konnte man, zwischen Kuriositäten, wie dem „Haus auf dem Kopf“ oder dem „Längsten Tisch der Welt – aus einem Brett“ auch einen simulierten Luftangriff in einem Bunker erleben oder den Nachbau eines sibirisches Strafgefangenenlagers aus der Zeit nach 1939 besichtigen. Sehr interessant war auch der Besuch des Freilichtmuseums im Weitsee-Landschaftspark, wo uralte Häuser als Zeitzeugen wieder aufgebaut wurden. Ebenso konträr erlebten die Chormitglieder den Ausflug auf die Nehrung des Frischen Haffs: einerseits der wunderschöne Ostseestrand und das Haff rund um Krynica Morska, andererseits, ein paar Kilometer weiter, als deutsches Erbe das KZ Stutthof in Sztutowo. Umso beeindruckender ist es, wie die Menschen in Polen mit diesen Kontrasten umgehen und dabei ihre Gastfreundschaft auch oder gerade gegenüber deutschen Gästen bewahren.

Mit all diesen Eindrücken ging es dann am Freitag dem 19.10. in das abschließende Konzert des Posaunenchors in Somonino. Die Leiterin des dortigen Berufskollegs, die den Chor im Vorfeld, aber auch während der Reise, immer wieder unterstützte, hatte eingeladen. Auch hier wurde musikalisch weiter an der Brücke zwischen den Konfessionen und Nationen gebaut. Neben klassischen Elementen, wie auch schon beim Konzert in Kartuzy, bewegte man sich nunmehr in der jüngeren Musik, so dass neben Stücken der Beatles und der Comedian Harmonists, auch die Filmmusik „Gabriellas Song“ ertönte. Aber natürlich gab es auch hier das Lied „Unfriede herrscht auf der Erde“ zu hören. Als dann zum Finale die „Europa-Hymne“ gespielt wurde, erhoben sich alle Zuhörer, wodurch eine sehr feierliche, emotionale Stimmung erzeugt wurde, die zeigte, dass alle am Konzert Beteiligten bereit waren, die musikalisch errichtete Brücke zu betreten. Diese Bereitschaft wurde dann auch in den anschließenden Dankesworten deutlich.

So bedankte sich Horst Jerzembek als Chorleiter sehr herzlich für die erlebte Gastfreundschaft und machte deutlich, dass diese Woche Hoffnung gebe, die richtigen Schritte zur Völkerverständigung unter Einbeziehung christlicher Werte in Richtung grenzenloses Europa zusammen gehen zu können. Diese Worte fanden bei allen Beteiligten positive Resonanz. Bei der Rückreise am 20. Oktober war den Chormitgliedern klar, dass sie eine beeindruckende Erfahrung machen durften, die das manchmal doch sehr obskur dargestellte Bild Polens gerade gerückt hat.

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