Der Mühlengraben - bis 1951 war die Schlossmühle in Bigge in Betrieb.(von Heinz Lettermann) Bis etwa 1951 war die Schellenstein’sche Mühle voll in Betrieb. Es wurde dort Getreide gemahlen und Rundholz geschnitten. Der letzte Inhaber dieser Mühle war Franz Heinrich Körner. Von 1948 bis 1952 wirkte er als Bürgermeister von Bigge, später war er bahnamtlicher Rollfuhrmann. Die alte Mühle war ein handwerkliches Meisterwerk.

Der Mühlengraben - bis 1951 war die Schlossmühle in Bigge in Betrieb.Wäre sie erhalten geblieben, könnte man sie heute als kleines Museum bewundern. Das mächtige Mühlrad wurde mit Wasser aus dem sogenannten Mühlengraben angetrieben. Durch ein Wehr in der Ruhr leitete man das Wasser in den künstlichen Graben. Dieser gab das Wasser in die Höhe der alten Antfelder Brücke wieder in das eigentliche Ruhrbett. Auf der Westflanke der Mühle befand sich die Scheune mit dem Dreschkasten.

Im Hochsommer stand der Schlossweg – wir nannten ihn Mühlenweg – voll mit Leiterwagen, auf denen ungezählte Garben mit Gerste, Roggen, Hafer und Weizen gebanst waren. Die Arbeit auf dem Dreschkasten war hart und staubig. Die Garben mussten aufgeschnitten und eingegeben werden. Im Rüttelwerk lösten sich dann Korn und Spreu voneinander. Jeder Sack voll Getreide sicherte das Überleben von Mensch und Tier im nächsten Winter, besonders in den Kriegs- und Nachkriegsjahren. Ähren, die wir mit der Hand auf den abgeernteten Feldern aufgelesen hatten, brachten wir direkt in die Mühle. Dort bekamen wir dafür eine Tüte mit Mehl. Mit dieser Tüte zogen wir zur Bäckerei Vieth an der Hauptstraße. Für das mitgebrachte Mehl erhielten wir ein kleines Brot. So funktionierte der Tauschhandel in den Jahren 1945 – 1948. In diesen ersten Nachkriegsjahren betrieb Bernhard Keuthen seine Zimmerei in den Ohl-Wiesen südlich von der Schlossmühle.

1979 kaufte Karl Ames Schloss „Schellenstein“ mit allen Nebengebäuden von der damaligen Besitzerin, der Stadt Olsberg, so auch die Schlossmühle. Das trutzige Gebäude mit meterdicken Mauern wurde umgebaut. Schmucke Eigentumswohnungen entstanden. Wenn man heute vor der alten Mühle steht, kann man nur noch von dem alten Mühlrad und dem Rauschen des Wassers träumen. Die Vergangenheit kehrt nicht wieder.

Zur Geschichte der Mühle gehört noch eine Besonderheit: Aus der Schellenstein-Mühle stammt nämlich eine der Vorfahrinnen von Friedrich Wilhelm Sertürner. Er wurde 1783 als Fridericus Wilhelmus Adamus geboren und wurde der Entdecker des Morphiums. Dieser berühmteste aller Apotheker – so Karl-Heinz Förster in seinen Nachforschungen – war damit der Begründer der Alkaloid-Chemie.

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