Hier sieht man eine Versuchskapsel und die AbbremskammerNach längerer Zeit tritt auch wieder die Rubrik "bigge-online fragt nach" in Erscheinung: "Was ist ZARM?" wollten wir wissen. ZARM steht für "Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation" und ist das Projekt eines ehemaligen Biggers, den es vor vielen Jahren nach Bremen gezogen hat: Professor Hans J. Rath.

Hans J. Rath in seinem AtelierDa wir Herrn Rath persönlich kennen lernen und uns auch vor Ort über das ZARM erkundigen wollten, fuhren wir am 4. November 2005 kurzerhand nach Bremen. Dort wurden wir von Professor Rath empfangen. 1947 in Nuttlar geboren verbrachte er etwa 14 Jahre in Bigge, wo er bei Oventrop von 1961 bis 1965 eine Ausbildung zum Stahlformenbauer absolvierte und anschließend noch ein Jahr lang als Facharbeiter tätig war. Als Ausgleich zu dieser Arbeit, ging er schon damals seiner Leidenschaft, der Malerei, nach. Bereits 1966 konnte er sein erstes Bild an einen Kunstprofessor verkaufen.

Professor Rath im Jahr 1964 beim Malen in BiggeNachdem Hans J. Rath sein Abitur an der Berufsaufbauschule in Büren nachgeholt hatte, studierte er von 1967 bis 1970 an der Uni Paderborn (Ingenieursschule Meschede), wo er sein Studium als Dipl.-Ing. abschloss. Nach einem Zwischenstopp bei AEG-Telefunken in Ulm legte er ein Studium der Strömungsmechanik an der TU Hannover nach. Dort promovierte er 1976 am Institut für Mechanik zum Dr.-Ing.

Im Jahr 1981 folgte er schließlich dem Ruf der Uni Bremen, wo er seitdem als Professor für Strömungsmechanik tätig ist. Bereits 1985 gründete Professor Rath das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, dessen Direktor er noch heute ist. Das ZARM forscht in drei Teilbereichen: Zum einen ist da die Erforschung von flüssigen Naturphänomenen, die von der Schwerkraft abhängig sind. Hier bietet die Schwerelosigkeit die idealen Bedingungen die Erforschung von Verbrennungsprozessen sowie dem Transport von mehrphasigen Flüssigkeiten und von Problemen bei der Wärmeleitung.

Solche Versuchsaufbauten befinden sich in den KapselnUm nicht auf die Raumfahrt bei Versuchen in Schwerelosigkeit angewiesen zu sein, konzeptionierte Professor Rath im Jahr 1986 den so genannten Fallturm, der im Jahr 1990 durch den damaligen Bundesforschungsminister Riesenhuber in Betrieb genommen wurde. Hier können mit einem Versuchsaufbau bestückte Kapseln hochkatapultiert werden. Während der Steigphase und des anschließenden Falls herrscht in der Kapsel für neun Sekunden Schwerelosigkeit. Dieses Phänomen konnte Professor Rath sehr anschaulich erklären: "Stellen Sie sich vor, ihre Füße wären fest mit einer Waage verbunden. So lange Sie auf dem Boden stehen, zeigt die Waage noch ihr Gewicht an. Sobald Sie aber hochspringen oder hochgeworfen werden, steht die Waage auf null". Das haben selbst wir verstanden...

Professor Rath und ein Modell von BREM-SATDer Fallturm ist übrigens 146 m hoch und geht zudem 12 m tief in die Erde. Das Katapult, das im Jahr 2004 offiziell in Betrieb genommen wurde, beschleunigt die Versuchskapseln in 0,25 Sekunden auf 175 km/h. Vor Inbetriebnahme des Katapultes konnte die Schwerelosigkeit lediglich im Fallen erzielt werden. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeiten von nur etwa 3 - 4 Monaten wird der Fallturm von nationalen und internationalen Projekten rege in Anspruch genommen. Raumfahrttechnologie ist das zweite Standbein des Instituts. Der Mini-Satellit BREM-SAT war bspw. ein international anerkanntes Projekt, aber man arbeitet auch an größeren Satelliten-Projekten besonders im Bereich Lagekontrolle und -bestimmung mit. Darüber hinaus werden Aerodynamik und Schallgeschwindigkeitstechnik untersucht. Für Airbus führt das Institut, das heute etwa 80 Mitarbeiter hat, zudem Belastungstest einzelner Bauteile durch. So hat man u. a. am A380 mitgearbeitet.

In der Zeichnung sieht man das unterirdische Katapult. Der größere Behälter oben wird nach dem Abschuss unter den Turm geschwenkt und ist mit Granulat gefüllt, dass den Aufprall der Kapsel nach dem freien Fall dämpft.Seit 1998 ist Professor Rath auch künstlerisch wieder verstärkt tätig geworden woraufhin mehrere Ausstellungen folgten. Und so ist er nicht nur Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Vereinigungen sondern auch in der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste. Als Wissenschaftler konnte Hans J. Rath ca. 270 Publikationen veröffentlichen. Den Bezug zu Bigge hat er trotz seines vollen Terminkalenders als Geschäftsführer der ZARM-Fallturm-Betriebsgesellschaft mbH und der ZARM Technik GmbH nicht verloren. Das Schützenfest versucht er immer mitzunehmen und auch durch seinen Stammtisch "Löschtrupp" hält er den Kontakt zur Heimat.

Beruflich stehen für den ehemaligen Bigger noch einige Projekte an: Neben der Errichtung eines Besucherzentrums soll sich das ZARM als Großprojekt des Bundes etablieren. Damit würde das Institut dann auf Augenhöhe mit anderen großen Forschungseinrichtungen, wie dem Max-Planck-Institut, stehen.

Das Web-Team bedankt sich bei dieser Gelegenheit noch mal sehr für den freundlichen Empfang in Bremen. Als kleines Dankeschön überreichten wir Herrn Rath aktuelle Luftbilder von Bigge und einen leckeren bigge-online-Holunderlikör.

Hier kommt ihr zu weiteren Bildern vom Besuch in Bremen.

Wer sich noch näher mit dem ZARM-Institut beschäftigen möchte, sollte dem folgenden Link folgen: www.zarm.uni-bremen.de.

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