Wie wir euch bereits mitgeteilt haben, konnten wir Heinz Lettermann dafür gewinnen, uns hin und wieder mit interessantem Lesestoff rund um Bigge zu versorgen. Hier ist sein Bericht mit dem Titel "Historie und Histörchen - Wie die Wetterfahne von Schloss Schellenstein nach Gevelinghausen wanderte": Am 25. Februar 2006 wurde Karl Freiherr von Wendt auf dem Friedhof zu Gevelinghausen zu Grabe getragen. 

Seine Familie, sehr viele Dorfbewohner und Weggefährten von einst begleiteten ihn auf seinem letzten Weg.Karl von Wendt bei seinem Besuch in Gevelinghausen zum 750-jährigen Jubiläum Sein Ende war tragisch und sehr, sehr einsam. Der Tod ereilte ihn am 6. Februar 2006 auf einem Boot in Mathews/Virginia, USA. Im jugendlichen Alter von 24 Jahren hatte Karl von Wendt 1961 als Universalerbe die Schlösser Gevelinghausen und Schellenstein in Bigge sowie die Besitzungen in Wiggeringhausen, Gierskopp und das Namensgut Papenhausen bei Lemgo übernommen. Mit dem Erbe war ein Grundbesitz von rund 2.500 Hektar verbunden. Seine Kindheit hatte 1942 einen furchtbaren Einschnitt erfahren: Sein Vater war in Russland gefallen. Karl von Wendt wollte seiner Heimatregion Sauerland neue Impulse geben. Als Porsche-Rennfahrer schwebte ihm der Bau eines "Sauerlandrings" vor Augen. Daraus wurde nichts. Aber der Freizeitpark Fort-Fun bei Wasserfall wurde Wirklichkeit. 1985 geriet sein Unternehmen in eine nicht vorstellbare Schieflage. Zug um Zug wurden alle Besitztümer verkauft, Karl von Wendt stand vor dem Nichts. Enttäuscht und frustiert suchte er in Kanada ein neues Glück, das ihm aber nicht so recht beschieden war. Mehr und mehr wurde die Einsamkeit sein Begleiter. Im letzten Jahr wollte er noch einmal die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Der Tod kam schneller.

1961 gehörte auch das Bigger Schloss zu seinen Besitzungen. 1965 verkaufte er es an die Gemeinde Bigge. 1973 wurde in Gevelinghausen das Schlosshotel eingeweiht. Den Franz Dauber demontiert die Wetterfahne von SchellensteinZwiebelturm des eleganten Komforthotels (in früheren Jahre war hier ein Teil der Ökonomie untergebracht) sollte die alte Wetterfahne von Schloss Schellenstein krönen. Der Stadtrat Bigge-Olsberg stimmte zu. Karl von Wendt stellte im Gegenzug am Losenberg Gelände zum Anlegen eines Kinderspielplatzes zur Verfügung. Die aus Kupfer getriebene Wetterfahne stammt aus dem Jahre 1864. Dachdeckermeister Franz Dauber holte das gute Stück vom Bigger Turm herunter, und so wechselte das Traditionsstück nach Gevelinghausen. Bis heute ist es zu bewundern. Die Wetterfahne enthält ein Doppelwapppen in zwei nebeneinander stehenden Rechteckfeldern. Das rechte Feld zeigt das Wappen der Familie von Wendt: einen quadrierten Schild, zwei Quadrate zeigen jeweils drei Turnierhelme, zwei Quadrate sind gefüllt mit einem schreitenden Greif. Links ist das Wappen der Familie Schell zu sehen: einen Schrägbalken, mit drei Rosen belegt. Darüber befinden sich drei Helme mit verschiedener Zier: rechts einen schreitenden Fuchs, in der Mitte Pfauenfedern (Wendt) links ein Greif. Am äußersten Rand ist der gepanzerte Arm derer von Wendts zu sehen.

Von 1973 bis 1980 musste der Turm von Schloss Schellenstein ohne Wetterfahne auskommen. 1979 erwarb Karl Ames aus Rösenbeck die Gesamtanlage in Bigge. Schon 1978 hatte Landeskonservator Caesar an Stadtdirektor Heinrich Ochsenfeld geschrieben: Links: Schloss Schellenstein - Rechts: Schloss Gevelinghausen"Nachdem der Ortskern Bigges durch gesichtslose und unangepasste Neubauten den größten Teil seines ursprünglich reizvollen Erscheinungsbildes eingebüßt hat, müssen die verbleibenden geschichtlichen und städtebaulichen Akzente umso mehr zur Aufwertung des Ortsbildes beitragen. Eine Anlage wie Schloss Schellenstein bietet dazu die günstigsten Voraussetzungen. Bigge darf sich glücklich schätzen, ein solch' bedeutendes Baudenkmal zu besitzen, an dem sich darüber hinaus Ortsgeschichte so greifbar verdeutlichen lässt..." Karl Ames ließ sehr schnell eine neue Wetterfahne für Schloss Schellenstein aus Kupfer treiben. Sie stammt aus der Rösenbecker Werkstatt Otto von Rüden. Sie enthält vier Symbole: Segel, Wellen, Wolken und Steuerrad. Sie sollen den Wahlspruch von Karl Ames versinnbildlichen: "Gott gab Wogen und Wind. Aber Segel und Steuer, damit ihr den Hafen gewinnt, sind Euer".

Karl von Wendt ist nicht mehr, Karl Ames musste Schellenstein aufgeben. Die Wetterfahnen auf den Türmen in Gevelinghausen und Bigge geben jedoch weiterhin die Richtung an." (Bilder: Heinz Lettermann)

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