Nadine Hoischen, die im Rollstuhl sitzt, bezwang die zwölf Meter hohe Kletterwand und sicherte andere Kletterer ab. Foto: Josefsheim BiggeFür einige Menschen mit Behinderung aus dem Josefsheim Bigge ging es in den vergangenen zehn Monaten regelmäßig hoch hinaus. In der Kletterhalle Schmallenberg erwarben sechs von ihnen jetzt ihren „Toprope Kletterschein“, einer ein Kletterabzeichen.

Die Kletterprüfung bildete den Abschluss einer Studie, die die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) der Sporthochschule Köln gemeinsam mit dem Josefsheim durchführen. Ziel der Studie ist es, die Auswirkung sportlicher Betätigung auf die Leistungsfähigkeit im Berufsalltag zu erhöhen. So ging es zehn Monate lang für die Teilnehmer zweimal pro Woche in die Kletterhalle Schmallenberg oder die Kletterpraxis Brilon. Begleitet von einem Klettertrainer und dem Projektleiter im Josefsheim, Jürgen Mies, bereiteten sie sich so auf die Prüfung vor. Die Prüfungsinhalte waren z.B. sichere Knotenkenntnisse, Wissen über Sicherungsgeräte, Klettererfahrung auf Routen bis zwölf Meter und Partnercheck.

Neben Menschen mit einer kognitiven Einschränkung gehörten auch eine sinnesbeeinträchtige Person sowie eine Rollstuhlfahrerin zu der Gruppe. „Nadine Hoischen, die im Rollstuhl sitzt, konnte an der zwölf Meter hohen Wand in Schmallenberg klettern oder aber auch Menschen ohne Beeinträchtigung sichern“, so Jürgen Mies. Und weiter: „Es ist schön zu sehen, wie Menschen durch Sport über sich hinaus wachsen können und für den Alltag dazu lernen.“

Fähigkeiten angesprochen

Durch das Klettern wurden zahlreiche Teilhabe- und Förderziele erreicht. Es wurden Fähigkeiten z.B. im kognitiven, sozialen, motorischen oder Wahrnehmungsbereich angesprochen, die auch im beruflichen Alltag notwendig sind. Neben der Klettergruppe gibt es in der Studie eine Kontrollgruppe, die während der letzten zehn Monate keine spezifischen Sport- und Bewegungsangebote wahrnahm.

Durch Fragebögen, die eigens für die Studie entwickelt wurden, wird im Nachgang ermittelt, welchen Nutzen der Klettersport für die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter mit kognitiver Beeinträchtigung hat.

Darüber hinaus sollen die möglichen Effekte des Kletterns auf individueller Ebene mit Blick auf die subjektive Einschätzung der Selbstwirksamkeit und die Selbstwahrnehmung festgehalten werden. Ergänzt wird dies durch eine Fremdbeurteilung zur Arbeitsleistung. „Das sind die Ansatzpunkte, die diesen Sport zu einem pädagogischen und sogar therapeutischen Mittel werden lassen. Denn gerade das ‚Erleben‘ spielt in der heutigen Pädagogik eine gesteigerte Rolle“, so Jürgen Mies. Eins steht – unabhängig von den Ergebnissen der Studie – schon jetzt fest: Die Teilnehmer sind durch die bestandene Prüfung wieder ein Stück weiter in die Gesellschaft gerückt.

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