Ruhe vor dem "Sturm". Noch sind weder Ehrengäste noch Schaulustige da. Foto: bigge-onlineViele Autofahrer im Hochsauerland haben lange darauf gewartet und am Montag, 18. November 2019, war es dann soweit: Nach gut zehnjähriger Bauzeit wurden die A46 in der Verlängerung von Bestwig bis zur Anschlussstelle Bigge-Olsberg sowie der Zubringer der B480n feierlich eröffnet. Die über 190 Millionen Euro teure Baumaßnahme war ein Projekt der Brückenbauer. Gut ein Drittel der 8,4 Kilometer langen Neubaustrecke besteht aus Brücken: von einer Kreuzweg-Überführung über die A46, über die höchste Autobahnbrücke in NRW bei Nuttlar bis hin zu einer Talbrücke im Verlauf des Zubringers B480n, die die Ruhr, zwei Bahntrassen und die B7 überspannt - um nur drei der elf Brücken zu nennen. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst, Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, der auch damals die B480n freigegeben hatte, und Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek gaben das neue Teilstück frei. Viele Schaulustige waren auf die neue Trasse gekommen, um der Freigabe beizuwohnen. Auch wir von bigge-online waren für euch vor Ort und nachfolgend findet ihr auch einige Fotos.

Gute Laune auf dem Podium: Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek (l.), NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (3.v.l.) und Staatssekretär Enak Ferlemann (4.v.l.) kamen zur Verkehrsfreigabe. Foto: bigge-online, Wer bislang über die B7 von Velmede bis Nuttlar gelangte, weiß um die Enge in den Ortsdurchfahrten. "Das neue Teilstück holt Verkehr von der B7 und entlastet die Ortschaften. Das nutzt den Menschen, die jetzt den Stau nicht mehr vor der Haustür haben. Das sorgt für bessere Luft und schafft mehr Lebensqualität in den Orten. Von dem neuen Teilstück wird auch die wachstumsstarke Wirtschaft in Südwestfalen profitieren, die eine gute Anbindung braucht", sagte NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. Vor allem auch mit Blick auf den Tourismus ist die Entlastung der Ortsdurchfahrten ein Gewinn. "Die Kommunen haben jetzt die Chance, ihre Ortskerne zu entwickeln", so Wüst. Die Wirtschaftsregion profitiert von der neuen Anbindung. "Wir stärken mit dem Weiterbau der A46 die Region und geben den Unternehmen eine Perspektive für die Zukunft", betonte Enak Ferlemann, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. "Je besser eine Region angebunden ist, desto attraktiver ist sie für Bürger, Unternehmen und auch für den Tourismus."

Technisch ambitioniertes Projekt

Aus Sicht der Straßen.NRW-Ingenieure war der Bau der 5,6 Kilometer langen Autobahn-Strecke ein spannendes aber auch ambitioniertes Projekt. Denn bis zu 33 Grad steile Hänge machten nicht nur die Planung aufwändig. Die bewegte Topografie stellte auch beim Bau eine große Herausforderung dar. Im Taktschiebeverfahren wurde der Stahlüberbau der höchsten Talbrücke bei Nuttlar Stück für Stück über die Pfeiler geschoben - in sanftem Schwung um die Kurve. Dort, wo die Brücke auf den Sengenberg trifft, musste der Hang nicht nur abgetragen, sondern anschließend auch aufwändig gesichert werden. 3600 Felsnägel - sechs bis 16 Meter lang - wurden verbaut, Spritzbeton aufgebracht und das Schutzbauwerk anschließend mit einer Gabionenwand gestaltet.
Die Ehrengäste räumen die symbolische Absperrung zur Seite. Foto: Straßen.NRW
"Neben den technischen Herausforderungen, die zu meistern waren, haben wir auch einen hohen gestalterischen Anspruch gestellt", sagte Straßen.NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek mit Blick auf die Bauwerke. Besonders offensichtlich wird dies bei der Talbrücke Nuttlar, deren sechs schlanke runde Pfeiler wie die Stämme der in der Region vorherrschenden Fichten in die Höhe ragen. Mit Natursteinen verkleidete Stelen an den Bauwerken geben Hinweise auf das Schiefergebirge der Region.
Viele Schaulustige wollten das Ereignis vor Ort auf der Autobahntrasse erleben. Foto: bigge-online

Erlebnisraum Natur aufgewertet


Schiefertafeln zur Freigabe. Foto: bigge-onlineDer Aspekt "Gestaltung" hat auch bei der Anlage der Ausgleichsflächen eine Rolle gespielt. Für den Neubau einer Straße muss durch Verbesserung der vorhandenen Naturstrukturen oder durch Neuanlage von ökologisch wertvollen Lebensräumen ein Ersatz für die durch den Bau in Anspruch genommene Fläche geschaffen werden. An der A46 sind das unter anderem Auengehölze, Heckenstrukturen und extensiv bewirtschaftete Wiesenflächen. Aber auch der Erlebnisraum Natur wird durch die Ausgleichsmaßnahmen aufgewertet. "Es wurden neue Sichtbeziehungen zum Schlehdornbach und der Schormeckeaue geschaffen", so Elfriede Sauerwein-Braksiek. "Durch den Umbau von dichten Fichtenbeständen in lichteren Laubwald haben wir zudem an Wanderwegen die Erlebnisqualität gesteigert." Dass Wirtschaftlichkeit und ökologisches Handeln gemeinsam möglich sind, zeigt das Bodenmanagement des Projektes: Für den Straßen- und Brückenbau musste eine Million Kubikmeter Boden weichen - in der Regel Fels. Davon wurden 99 Prozent an anderer Stelle des Projektes wieder eingebaut. Ein Umstand, der allerdings nicht zur Regel werden kann. Nicht immer erfüllt der abgetragene Boden die Qualitätskriterien für die Nutzung im Straßenbau.
Nach der Freigabe ging es dann für die ersten Fahrzeuge in Richtung Bigge. Hier an der Kreuzung vom Zubringer kommend. Foto: bigge-online/W.Ernst

Noch ein paar Fakten:


• Kosten: 192,6 Millionen Euro
• Bau: 5,6 Kilometer Autobahn A46; 2,8 Kilometer Zubringer B480n
• Die Fundamente der Brücke Nuttlar sind riesig: Sie haben Abmessungen von bis zu 14 mal 28 Metern und vier Metern Höhe. Die Pfeilerdurchmesser betragen zwischen drei und fünf Metern, die Pfeilerschäfte sind massiv ausbetoniert.
• Zwei PWC-Anlagen (Parkplatz mit WC) bieten jeweils ca. 40 Stellplätze
• Zwölf Kilometer Wildkatzenschutzzaun wurden entlang der Strecke gesetzt

Den kirchlichen Segen gab es natürlich auch. Foto: bigge-online
Die Absperrung will zur Seite gezogen werden. Die Ehrengäste legen Hand an. Foto: bigge-online
Die Absperrung will zur Seite gezogen werden. Die Ehrengäste legen Hand an. Foto: bigge-online

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