Bigge onLine

Frederik Köster (2.v.r.) und seine Band 'Die Verwandlung'.Im Rahmen seines hundertjährigen Jubiläums lädt der Musikverein „Eintracht“ Olsberg am 6. November 2021 um 19:30 Uhr in den Bigger Kulturbahnhof „Linie 73“ ein. Dort spielen Frederik Köster und seine Band „Die Verwandlung“. Als kleine Einstimmung hat Dirk Brambring, der 1. Vorsitzende des Musikvereins, ein Interview mit Frederik Köster, der seine musikalischen Wurzeln in der „Eintracht“ hat, geführt:


Dirk Brambring: „Am Wochenende ist es soweit, dann treffen wir uns in der Linie 73, dem alten Bahnhof in Bigge. Dort wirst du mit deiner Band ‚Die Verwandlung‘ zu Gast sein und wir werden ein tolles Jazzkonzert mit euch erleben. Wir hätten drei Fragen an dich. Die Pandemie war sicherlich im Kulturbereich besonders hart und wir wünschen dir und deinen Kollegen natürlich, dass ihr mit vielen Auftritten schnell zurück auf die Bühne findet, was ihr ja auch, wie wir im Vorfeld besprochen haben, schon getan habt. Welche positiven Erfahrungen kannst du der Krise abgewinnen?“

koeste linie73 211106Frederik Köster: „Die Krise war natürlich hart für alle, weil wir alle so etwas vorher nicht kannten. Das gab es noch nie in unserem Leben. Manche Leute haben mir erzählt, dass sie viel mehr gearbeitet haben als vorher, manche viel weniger. Also es ist ein totales Ungleichgewicht gewesen. Positiv in den ersten Monaten war, ganz viel Zeit zu haben für die Familie. Für meinen Sohn hatte ich viel Zeit. Wir waren viel draußen und im Wald. Das ist natürlich erstmal etwas Schönes. Mit Blick auf das Künstlerische musste man ein wenig umdenken: In den ersten Monaten habe ich viel Musik geschrieben für verschiedene Projekte, zum einen für ‚Die Verwandlung‘, meine ‚Working Band‘, ich hatte aber auch Aufträge für die WDR-Bigband, für das Hagener Symphonieorchester. Für die Sachen, die man sonst so zwischendurch macht, hatte ich ganz viel Zeit, das war fantastisch. Im weiteren Lockdown haben wir dann etwas für die NDR-Bigband gemacht, also viel Arbeit, die man von zuhause aus erledigen konnte. Das Unterrichten an der Hochschule lief weiter, per Zoom. Eine gute Sache, die man gemerkt hat, ist, dass ein Live-Erlebnis, ein Live-Konzert durch nichts zu ersetzen ist. Diese Wechselwirkung zwischen Musikern auf der Bühne und Publikum, zwischen dem Ort, wo man sich gemeinsam mit vielen Leuten trifft, das kann man nicht substituieren.“

Dirk Brambring: „Absolut, die Atmosphäre ist auch etwas, worauf sich die Künstler freuen und nicht nur das Publikum. Wir freuen uns alle darauf und es ist schön zu hören, dass das auch von eurer Seite mit Spannung erwartet wird. Wenn wir zum Musikalischen kommen - wie würdest du den Musikstil von deiner Band ‚Die Verwandlung‘ und dir beschreiben? Worauf darf sich das Publikum freuen?“

Frederik Köster: „In der Regel bin ich immer etwas vorsichtig, wenn ich danach gefragt werde, denn es ist total schwer, seine eigene Musik zu beschreiben, denn wir sind die Summe unserer Hörerfahrungen und sozialisiert durch die unterschiedlichsten Dinge, die sich immer wieder verändern. Bei uns ist das auch so: Die Band heißt nicht ohne Grund ‚Die Verwandlung‘, weil sie relativ offen angelegt ist, die Musik kann sich jeden Abend wieder neu verwandeln und klingt jeden Abend anders.

Wir haben die unterschiedlichsten Projekte gemacht, mit großem Sinfonieorchester, aber auch kammermusikalisch, elektronisch, akustisch, mit Einflüssen aus der klassischen Musik, aus der alternativen Popmusik, Singer-Songwriter-Musik, wir haben Gedichtvertonungen darin, das heißt, ich werde auch singen. Es ist total schwer, das kurz zusammenzufassen. Es gibt natürlich ein paar Eckpfeiler: Klassische Musik, arabische Musik, Musik aus dem Balkan, impressionistische Musik. Worauf man sich freuen kann, ist es, eine spielfreudige Band zu sehen, die eine kleine Tour unternimmt. Und wir beschließen unsere Tour in meiner Heimatstadt, was besonders schön ist. Wir haben aus bekannten Gründen im letzten Jahr eigentlich kaum gespielt, hatten dann im August wieder ein Konzert am Bodensee, und als wir gespielt haben, war es so, als wäre das letzte Mal erst gestern gewesen. Man hat ja immer Angst, ob in dieser Zeit etwas verloren geht und ob das Zusammenspiel noch wie früher ist. Ich glaube, es kommt vieles ganz schnell wieder, das ist das Schöne: Wenn die Musiker auf der Bühne Lust haben, zu spielen, dann springt das in der Regel auf das Publikum über. Wir können uns also auf ein gemeinsames Erlebnis freuen.“


Dirk Brambring: „Ja, vielen Dank. Die Abschlussfrage: Der Musikverein ‚Eintracht‘ Olsberg wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Und deine Wurzeln hier im Ort hast du ja auch gerade schon betont. Was verbindest du mit der ‚Eintracht‘ und was wünschst du ihr?“

Frederik Köster: „Mit ihr verbinde ich ganz viel, denn das ist ein nicht ganz unerheblicher Teil meiner Jugend. Viele gemeinsame Erlebnisse, viele Menschen, Freunde, die man manchmal auch ein ganzes Jahr lang nicht sieht, und dann trifft man sich wieder auf einem Schützenfest, und es ist so, als wäre es gestern gewesen. Ich verbinde auch viele Orte damit, auch Natur, die in der Stadt oft viel zu kurz kommt, zum Beispiel im Hasley, wo man den Schützenfest-Montag verbringt. Auch verbinde ich erste orchestrale Gehversuche damit. Ich habe ja die ‚Homeward Bound Suite‘ mit dem Philharmonischen Orchester Hagen gemacht, und das erste Orchester, in dem ich gespielt habe, war das Jugendblasorchester und dann das Große Blasorchester der ‚Eintracht‘.

Ich kann mich an meine ersten Proben erinnern und an das erfüllende Gefühl, wenn so ein Klangkörper zusammenfindet. Das sind unschätzbare Erinnerungen und Erfahrungen, sowohl auf zwischenmenschlicher als auch auf musikalischer Ebene. Ich habe dort ganz viel gelernt, und das hört nie auf. Das Leben ist voller Veränderungen, doch ich freue mich, dass es diese Konstante gibt, auch wenn ich kein aktives Mitglied mehr bin. Trotzdem fühle ich mich dem Verein sehr verbunden. Ich wünsche der ‚Eintracht‘, dass sie noch viele hundert Jahre weiterbesteht und dass diese Bande und die Freundschaft nicht aufhören.“


Dirk Brambring: „Herzlichen Dank, Frederik, dass du uns an deinen Erfahrungen hast teilhaben lassen. Wir wünschen dir einen schönen Auftakt in deine Tour und wir sehen uns am 6. November in der Linie 73.“