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Selbstverständlich gehört auch die Bigger Fahne in den Koffer. Foto: Christina MenkeEinen 4-wöchigen Auslandsaufenthalt in Tansania verbringt aktuell Christina Menke. Die 18jährige Biggerin engagiert sich ehrenamtlich u. a. in der Bigger Jugend und bei den Messdienern. Für bigge-online hatten wir Gelegenheit, ein Interview mit ihr über die aufregende Reise zu führen.



bigge-online: Derzeit befindest du dich etwa 7.000 km weg von deiner Familie, Freunden und Bekannten im ostafrikanischem Tansania in Sichtweite des Kilimandscharo. Wie bist du auf die Idee gekommen und was machst du dort gerade genau?

Christina Menke: Da ich dieses Jahr mein Abi gemacht habe, wollte ich in der Zeit bis zum Beginn meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin etwas erleben und mal raus aus meiner Komfortzone. Durch Zufall habe ich im November 2021 eine Postkarte mit Werbung für Freiwilligendienste von den Kolping Jugendgemeinschaftsdiensten bekommen. Mein erster Instinkt war, es wegzuschmeißen, aber es hat mich irgendwie neugierig gemacht. Ich habe mir dann die Internetseite von den Kolping Jugendgemeinschaftsdiensten (www.kolping-jgd.de) angeschaut und gesehen, dass sie auch Workcamp in vielen verschiedenen Ländern der Welt anbieten. Interessant war vor allem, dass diese nur 4 Wochen dauern und kein ganzes Jahr, was mir mit meinem Ausbildungsstart gut gepasst hat. Und das Schöne ist, dass man nicht alleine reist, sondern immer in einer Gruppe. In meinem Fall sind wir 7 Teilnehmer und von Kolping fährt auch eine Reiseleitung mit, die schon Reiseerfahrungen hat. Außerdem erlebt man so viel mehr von der Kultur als Pauschal-Touristen, da man viel näher an den Menschen ist und Dinge erleben kann, die man so nicht hätte sehen können. Also habe Auch auf solche Dickhäuter traf Christina Menke auf ihren Ausflügen. Foto: Christina Menkeich mich für Tansania entscheiden, da das Projekt an einer Grundschule ist und ich gerne etwas Soziales machen wollte und ich auch gerne mit Kindern arbeite. Außerdem wollte ich raus aus Europa und eine andere Kultur kennenlernen und Tansania klang einfach interessant und lag zeitlich auch so, dass ich noch ein bisschen was vom Bigger Zeltlager in Uelsen mitbekomme. Auf jeden Fall bin ich jetzt hier in Arusha, im Norden Tansanias in Sichtweite des Kilimandscharo. Wir sind in dem Hostel unserer Gastmutter Mama Hindu untergekommen und waren in den letzten Wochen tagsüber in der Albehije Frankosea Pre- and Primaryschool und haben das Schulsystem kennengelernt, den Lehrern beim Korrigieren geholfen und auch selber unterrichtet. Wir konnten auch den Schulmauern neue Farbe geben. Mama Hindu hat die Schule durch Spendengelder gegründet und setzt sich auch dafür ein, dass Kinder mit einer Behinderung auch Zugang zu Bildung bekommen, denn das ist nicht selbstverständlich. Mama Hindu setzt sich auch für Frauen und Kinder ein und hat das "Center for Women and Children Development" (kurz CWCD) gegründet. Sie leistet besonders in Massai-Dörfern Aufklärung unter anderem zum Thema Verhütung, weibliche Geschlechtsverstümmelung und unterstützt sie zum Beispiel mit Kleidung und Binden für die Periode. So durften wir selber auch in ein Massai-Dorf fahren. Ein großer Dank geht auch an die Caritas Bigge, durch deren Spendengelder wir für die Kinder dort neue Kleidung und Schuhe kaufen konnten, da viele nur Sandalen oder auch gar keine Schuhe haben und auch die Kleidung teilweise zerlöchert ist. In unserer Zeit hier konnten wir die Straßen Arushas und die bunten Märkte erleben und zusammen mit unserem Gastbruder Ally durften wir ein paar Ausflüge zu abgelegenen Plätzen machen, die nur wenige sehen. Außerdem haben wir auch eine Safari im Tarangire-Nationalpark gemacht, wo wir sehr viele Tiere, wie Elefanten, Giraffen, Zebras, Antilopen und sogar auch Löwen sehen konnten. In unserer letzten Woche haben wir nun eine gemeinsame Reisewoche, auf der wir uns zusammen auf den Weg nach Dar es Salam - den Regierungssitz Tansanias - machen, um noch mehr Kultur und auch wunderschöne Strände erleben zu können.

bigge-online: Welche kulturellen Unterschiede erlebst du dort im Vergleich zum Sauerland in punkto Feiern oder Tradition?

Christina Menke: Man merkt schon vieles, was die Kulturen unterscheidet, man findet aber auch eine Menge Gemeinsamkeiten. In Tansania sind viele Menschen Muslime, aber auch genauso viele sind christlich. Wir durften beide Religionen kennenlernen und sind in die Kirche gegangen, wo viel gesungen und getanzt wurde, aber auch wie bei uns lange Predigten, nur halt auf Kiswahili, gehalten wurden. Wir durften auch zusammen mit unserer Gastfamilie das Id-Fest - das muslimische Fastenbrechen - feiern. Besonders fand ich, dass Muslime und Christen zusammen gefeiert haben und alle Nachbarn eingeladen wurden. In Deutschland ist es ja überwiegend so, dass jede Religion ihr eigenes Fest feiert, und diesen Zusammenhalt hier finde ich schön zu sehen. Ein besonderes Erlebnis war auch der Besuch im Massai-Dorf. Dort lebt nur ein Mann, der vier Frauen hat. Jede Frau hat eine eigene Lehmhütte und der Mann kann sich aussuchen, wohin er gehen möchte. Die Frauen sind ab dem 16. Lebensjahr heiratsfähig und bekommen fast jedes Jahr ein Kind. So haben wir eine 34-jährige Frau kennengelernt, die uns stolz berichtete, dass sie schon acht Kinder hat. Erstaunt war ich aber, dass vor allem die Mädchen zur Schule gehen. Die Jungs müssen aber leider ihren Vätern bei dem Herumtreiben von Kühen und Ziegen helfen.

Mit Unterstützung der Caritas Bigge konnte neue Kleidung beschafft werden. Foto: C. Menkebigge-online: Leider fiel dein Auslandsaufenthalt mitten ins Bigger Schützenfest, wie hast du das Wochenende verbracht?

Christina Menke: Zufälligerweise war genau den Schützenfest-Sonntag in Tansania dann das Id-Fest, also das muslimische Fastenbrechen. Es war ein wichtiges Fest für die Menschen, sodass ganz viel Essen gekocht wurde. Es wurde sogar extra dafür eine Ziege bei uns im Garten vom Hostel geschlachtet. Fleisch ist hier ziemlich teuer, daher ist es was ganz Besonderes für sie. Da ich im Hostel Internetzugang hatte, konnte ich auch das Schützenfest von Tansania aus verfolgen. Mich hat es echt gefreut, dass es endlich wieder stattfinden konnte und habe mich echt für alle Bigger gefreut, denn es sah mega aus! Ich war echt ziemlich neidisch und hätte gern mitgefeiert. Am Montag morgen konnte ich leider nicht das Vogelschießen live verfolgen, da ich in der Babyclass (das sind die 4-jährigen Kinder der Preschool) im Unterricht war. Mittags haben wir dann gegessen und 5 Minuten nachdem wir mit dem Essen fertig waren, habe ich dann schon die Nachricht von meiner Familie erhalten, daß (übrigens mein ehemaliger Religionslehrer) Pastor Christian Laubhold die Königswürde erhalten hat. Auch von mir herzlichen Glückwunsch dazu!

Christina Menke (rechts) bei der Arbeit gemeinsam mit Einheimischen. Foto: Christina Menkebigge-online: Wie sehr hilft dir in Tansania die Erfahrung in der Bigger Jugend?

Christina Menke: Mir nützt es schon sehr viel. Dadurch, dass wir in den Stammtischen und Zeltlager viele Spiele spielen, kann man den Kindern in der Schule auch viele Spiele aus Deutschland zeigen, im Gegenzug haben sie uns auch viele Spiele gezeigt. So haben wir den Sportunterricht einmal übernommen und für die gesamte Schule eine Olympiade organisiert. Dort haben wir Tauziehen gemacht, die altbekannte Waldkegelbahn, die wir auch im Zeltlager öfter haben, ein Slalomparcours und besonders von Ochs am Berg, oder in der Bigger Jugend auch als Henrietta Halbgar bekannt, waren die Kinder und auch die Lehrer sehr begeistert. Da hier viel gesungen wird, zum Beispiel morgens bei der Parade in der Schule oder auch für Begrüßungen oder Danksagungen, mussten wir natürlich auch ein paar Lieder vorbereiten. So haben wir eigentlich immer den Zeltlager-Hit "Lauda to si" gesungen, da das ein Lied war, das alle kannten und auch Stimmung macht. Aber man muss auch nicht unbedingt viele Vorerfahrungen haben. Die Kinder sind sehr offen und neugierig und begrüßen einen sehr herzlich. In der Schule kommen sie immer auf einen zugestürmt und wollen die Hand halten, mit uns Spielen oder mehr über uns, unsere Familien und Deutschland erfahren.

bigge-online: Wenn du wieder kommst, läuft bereits das Zeltlager in Uelsen. Wir hoffen du bringst den Teilnehmern auch etwas der dortigen Kultur mit?

Christina Menke: Natürlich bringe ich sehr viel Motivation mit, denn das Zeltlager ist für mich immer ein Highlight im Jahr. Da dieses Jahr aber wieder 50 Kinder ins Lager fahren, kann ich natürlich nicht jedem etwas mitbringen. Aber ich denke, ich bringe ganz viel Dankbarkeit mit. Die Menschen hier sind mit den kleinsten Dingen zufrieden und glücklich. So haben wir auf der Straße mal Luftballons verteilt, die wir Übrig hatten und die Kinder haben uns angestrahlt, als sie sie in der Hand hielten. Wir sollten sehr dankbar sein, dass wir in so einem Überfluss leben, denn oft fehlt es hier an den einfachsten Dingen, die für uns selbstverständlich sind, wie zum Beispiel heile Kleidung, Schulmaterialien wie Stifte, Lineale oder Radiergummis und auch der Schulbesuch ist für uns selbstverständlich. Übergabe der Kleidung mit Unterstützung der Bigger Caritas - die Kinder freuen sich. Foto: C. MenkeTrotzdem wirken die Menschen glücklich mit ihrem Leben. Ich denke, da können wir uns einiges noch abschauen. Ich bin sehr dankbar, diese Erfahrungen machen zu können, denn so eine Gelegenheit gibt es nicht so oft. Ich möchte mich vor allem bei der Kolpingsfamilie für ihre Unterstützung bedanken, aber auch bei der Kolpingjugend, dass ich über Instagram meine Reise teilen kann. Danke an die Caritas Bigge für ihre großzügige Geldspende für das Massai-Dorf und auch an alle, die mir Sachspenden für die Schule mit auf den Weg gegeben haben.

bigge-online: Dir Christina sagen wir vielen Dank für den kleinen Einblick und noch eine wundervolle Zeit dort. Salamu nyingi kutoka kwa Bigge na safari salama ya kurudi (zu deutsch: Viele Grüße von Bigge und eine gute Rückreise)!