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Im Jahr 2021 wurde die Bildungswerkstatt an die Elisabeth-Klinik verkauft und abgerissen. Hier befand sich die 8-13-Uhr-Betreuung, die nun im ehemaligen Kindergarten Sonnenschein untergebracht ist. An dieser Stelle sollte ein Gebäude der Elisabeth-Klinik entstehen, dem dem Räumlichkeiten von der Grundschule hätten genutzt werden sollen.Eigentlich, so Bürgermeister Wolfgang Fischer, handele es sich „um ein schönes Dilemma“: „Wir haben viele Kinder - aber wir müssen sie betreuen und versorgen.“ Konkret betrifft dies Räume der früheren Kita Sonnenschein im Bigger Josefsheim: Hier sollen ab August 24 U3-Kinder untergebracht werden. Allerdings hatte sich die Stadt Olsberg für die Räume ein Optionsrecht gesichert, um sie bei Bedarf für Betreuungszwecke der St.-Martinus-Grundschule zu nutzen. Im ehemaligen Kindergarten Sonnenschein ist nach dem Abriss der Bildungswerkstatt zunächst die "8-13-Uhr-Betreuung" untergebracht worden (wir berichteten).


Ehemalige Kindergartenräume waren auch als Ausweichräumlichkeiten in einer evtl. Bauphase der Grundschule im Gespräch

Ein Blick in die 8-13-Uhr Betreuung der Grundschule im ehemaligen Kindergarten Sonnenschein.Für diesen Bereich hat die Stadt Olsberg bis Ende 2024 zudem ein Optionsrecht. "Sollten in der St.-Martinus-Grundschule mehr Kinder die Betreuung nutzen, würden diese Räume benötigt", heißt es in der aktuellen Pressemitteilung.

Anbau des neuen Kindergarten Sonnenscheins erst in 2024 fertig

Nun hat der Hochsauerlandkreis als Träger der Jugendhilfe kurzfristigen Bedarf angemeldet, insgesamt 24 Kinder im Alter von bis zu drei Jahren ab August unterzubringen. Grundsätzlich plant die Josefsgesellschaft (JG) für solche Zwecke einen Ausbau am neuen Standort der Kita Sonnenschein. Weil der aber voraussichtlich erst bis zum Sommer 2024 fertig wird, möchte die JG als Übergangslösung bisher leerstehende Räume in der früheren Kita nutzen. Auf diese Räumlichkeiten hat allerdings die Stadt Olsberg die bereits erwähnte Nutzungsoption.

Bürgermeister irritiert über das Verfahren

Grundsätzlich, so Bürgermeister Fischer, seien Verfahren und Ablauf schon „etwas irritierend“ - man stehe aber vor der Aufgabe, eine tragfähige Lösung zum einen für die U3-Kinder wie zum anderen auch für die Betreuung zu finden. Sowohl der Elternverein als Träger der Betreuung „8 bis 13 Uhr“ wie auch das Sozialwerk Sauerland als OGS-Träger hatten erklärt, mit einem Verzicht auf das Optionsrecht einverstanden zu sein - allerdings sei nicht abzusehen, wie sich die Anmeldezahlen für die Betreuungsangebote über das nächste Schuljahr hinaus entwickeln werden.

Für die CDU-Fraktion erinnerte Jeannette Friedrich daran, dass das Optionsrecht auf zusätzliche Räume deshalb bestehe, um mögliche neue Platz-Engpässe nach dem Verkauf der früheren „Bildungswerkstatt“ der Schule zu vermeiden. Gerade der Zustrom ukrainischer Flüchtlinge könne dazu führen, dass die Anmeldezahlen für die Betreuung stärker wachsen - man könne „ganz schnell wieder einen Platzmangel“ haben.

Janine Rottler, pädagogische Geschäftsführerin der Josefsgesellschaft, die ebenfalls an den Beratungen teilnahm, deutete die Lösung an, notfalls einen speziellen Bauwagen für die U3-Betreuung an der Kita zu platzieren. Das aber wäre eine teure Lösung - für welche der Josefsgesellschaft am Ende die finanziellen Möglichkeiten fehlten. Andererseits sei es aber auch nicht Aufgabe der Stadt Olsberg, so etwas zu übernehmen, erklärte SPD-Fraktionsvorsitzender Rudolf Przygoda: „Wir haben diese Situation nicht herbeigeführt.“

Sabine Menke, Fraktionschefin der CDU, sah es als Lösungsweg an, einen Verzicht auf das Optionsrecht für die zusätzlichen Räume mit einer generellen Vertragsverlängerung für die Räume in der früheren Kita Sonnenschein zu verbinden. Da unklar sei, wann die Elisabeth-Klinik ihren Anbau umsetze, in dem für schulische Zwecke Räume angemietet werden sollen, sei absehbar, dass man die Räume in der früheren Kita über 2024 hinaus benötige - so könnten „zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“ werden. Auch Dominik Stahl (FDP) sah in einer langfristigen Lösung einen Vorteil für beide Seiten: „Allen im Rat ist daran gelegen, die Kinder unterbringen zu können.“

Bürgermeister Wolfgang Fischer wies darauf hin, dass das Optionsrecht vertragsgemäß ohnehin mit einem halben Jahr Vorlauf angemeldet werden müsste - eine lange Zeit, wenn kurzfristig Bedarf entstehen würde. Ein - zeitweiser - Verzicht auf das Optionsrecht mit einer Verlängerung des Nutzungsvertrages auf fünf Jahre sei eine sinnvolle Lösung: „Das gäbe den Kindern Sicherheit - und wir hätten mehr Zeit, eine vernünftige Lösung zu finden.“ Auch Janine Rottler signalisierte für die Josefsgesellschaft die Bereitschaft, eine solche Lösung mitzutragen.

Verlängerung des Nutzungsvertrags, Aussetzung des Optionsrechts für ein Jahr

Mit einer breiten Mehrheit von 19 Ja-Stimmen - bei sechs Gegenstimmen - beschloss der Stadtrat schließlich, für den Fall einer fünfjährigen Verlängerung des Nutzungsvertrages das Optionsrecht für ein Jahr auszusetzen. Gemeinsam mit der JG werde man zudem versuchen, tragfähige Lösungen für die Verkehrssicherheit rund um die Grundschule zu finden. Bürgermeister Fischer würdigte den Dialog - zum einen im Stadtrat, aber auch mit der Josefsgesellschaft: „Es ist immer gut, dass man miteinander spricht.“

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Hintergrundinformationen und Kommentar der Redaktion

In den Diskussionen um den Grundschulstandort wurde in der Vergangenheit bereits festgestellt, dass es Wartelisten für die OGS-Betreuung gab und nicht alle Wünsche für einen OGS-Platz erfüllt werden können. Die Möglichkeit der Ausweitung des OGS-Angebots sollte ein Ziel im Rahmen des neuen pädagogischen Konzepts sein. Bekanntermaßen sollte die Grundschule Räumlichkeiten im Neubau der Elisabeth-Klinik anmieten können, welcher nun auf Eis liegt. Zudem wurde noch gar nicht abschließend über das Raumkonzept entschieden, nachdem erste Variantenplanungen vorgestellt wurden und diese Lösung nicht von jedem als ideal angesehen wurde (wir berichteten). Die Räumlichenkeiten des ehemaligen Kindergarten Sonnenschein kommen auch als Ausweichmöglichkeit für Klassenräume in einer möglichen Bauphase in Betracht, um je nach Umbauvarianten auf Container verzichten zu können.

Es wirkt etwas irrititierend, dass in der Diskussion nur davon gesprochen wird, dass man bei steigendem Platzbedarf Räumlichkeiten benötigen würde. Im Rahmen der Diskussionen über die Grundschule ist seit über zwei Jahren klar, dass auch Platzbedarf für die OGS besteht. Die Problematik wurde intensiv beleuchtet: Zum Rückblick. Einmal mehr wird deutlich, dass der Verkauf der Bildungswerkstatt wohl doch eher vorschnell durchgezogen wurde und man nicht nur bezüglich der U3-Betreuung ein Dilemma zu lösen hat. Vielmehr steht die Grundschule weiterhin vor einem großen Dilemma, denn bisher ist nicht klar, wann und wie es hier mit dem Umbau/Ausbau weitergeht. Dass nun die Räumlichkeiten des ehemaligen Kindergartens anderweitig belegt werden, lässt eine Option zumindest übergangsweise etwas in die Ferne rücken. Man kann nur hoffen, dass es hier auf der weiteren Zeitschiene zu keinen Problemen kommt.

Während die Elisabeth-Klinik vorerst keinen dringenden Bedarf für die neuen Räumlichkeiten hat, hat sich die Situation der Grundschule nicht verbessert. Nur wurden Fakten geschaffen, die sich nun nicht mehr ändern lassen. Schade bleibt, dass in der Vergangenheit vor allen Entscheidungen durch Bürgerinnen und Bürger und insbesondere die Bürgerinitiative auf Probleme hingewiesen wurde, diese aber vorsichtig gesagt unterbewertet wurden (ein Beispiel hier).

Einige Probleme dürften nun nicht unerwartet kommen. Entscheidungen wurden getroffen und diese lassen sich nicht mehr rückgängig machen. Aber vielleicht wäre es auch mal ein Zeichen, wenn man zugeben könnte, dass man mit der ein oder anderen Entscheidung nicht ganz richtig gelegen hat.

Es darf doch nun nicht sein, dass das weitere Tempo bei der Verbesserung der Situation der Grundschule nun an Entscheidungen der Elisabeth-Klinik oder der JG hängt. Wir werden das Thema weiterhin kritisch begleiten.