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Ein „Gemeindemanager“, ein Kümmerer und Unterstützer oder ein Ansprechpartner für die heimischen Unternehmen? - Zu dem, was Wirtschaftsförderung für die Stadt Olsberg leisten soll, gab es in der Sondersitzung des Stadtrates in der Bigger Schützenhalle einen ganzen Strauß von Ideen. Ein Arbeitskreis soll nun Rahmenbedingungen und Themenschwerpunkte für eine neu organisierte Wirtschaftsförderung in Olsberg festlegen.


Einig waren sich die Ratsmitglieder darin, dass für das Jahr 2023 eine entsprechende neue Stelle für die Wirtschaftsförderung geschaffen werden soll. Hintergrund: Bereits im Jahr 2018 hatte die CDU-Fraktion beantragt, die Stelle eines Wirtschaftsförderers zu schaffen – inklusive Konzept und Finanzierungsmöglichkeiten. In der Folgezeit gab es zunächst - begleitet durch Rat und Verwaltung - eine umfangreiche Analyse des Büros „Moduldrei“ zu Strukturen der Olsberger Wirtschaft und Möglichkeiten zu deren Weiterentwicklung.

Sondersitzung in Bigger Schützenhalle

Die Sondersitzung sollte nun den Ratsfraktionen den Raum geben, Stellung zu nehmen und ihre Vorschläge einzubringen. Für die CDU-Fraktion stellten sich Vorsitzende Sabine Menke sowie Thomas Allesch und Simon Sabinarz einen Wirtschaftsförderer als „Gemeindemanager“ vor. Leerstandsmanagement soll ebenso zu seinen Aufgaben gehören wie die Begleitung von Einzehandel und Gastronomie sowie die Unterstützung der Fachwelt Olsberg.

Ein „Lieferando“ für Olsberg sei ebenso ein mögliches Projekt wie ein integriertes Markenkonzept für Olsberg. Klar müsse sein: Die „Marke Olsberg“ solle „mehr sein als Kneipp“, formulierte Sabine Menke. Die Gewerbeflächenentwicklung müsse ebenso in den Blick genommen werden wie neue und attraktive Wohnformen für junge Menschen. Die CDU forderte, ab dem Jahr 2023 Haushaltsmittel für einen Wirtschaftsförderer bereitzustellen und ein Konzept zu erarbeiten, dass dann in den Jahren bis 2027 umgesetzt werden soll.

"Nichts so ganz" - SPD-Fraktion

Olsberg sei vieles, konstatierte Ferdi Wiegelmann für die SPD-Fraktion, „aber nichts so ganz“. Man sei keiner reiner Produktionsstandort, aber ebenso kein reiner Tourismus- oder Gesundheitsstandort. Das mache die Wirtschaft zwar weniger anfällig für Krisen, erschwere umgekehrt aber auch eine gezielte Markenbildung. Ferdi Wiegelmann forderte als wichtigen Schwerpunkt in der Arbeit der Wirtschaftsförderung das produzierende Gewerbe: „Wir wollen nicht, dass Olsberg zum Altenheim oder zur Krankenstation des Sauerlands wird.“ Wichtig sei die Erschließung neuer Flächen für Gewerbe und auch Wohnungsbau – Ferdi Wiegelmann forderte dazu auf, sich beim Regierungspräsidenten intensiv für dieses Ziel einzusetzen.

In eine andere Richtung argumentierte Claudia Weigand für die Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen. Aspekte von Klimaschutz und Nachhaltigkeit kämen in der Analyse von „Mo-duldrei“ kaum vor. Dagegen gelte es, Ökonomie, Ökologie und Soziales gemeinsam zu denken und entsprechende Strategien zu entwickeln. Wenn zusätzliche Stellen geschaffen werden sollen, „dann im klaren Rahmen einer nachhaltigen Wirtschaftsförderung.“ Als Beispiel solle es keine Förderung für Unternehmen geben, wenn diese nicht eine nachhaltige Produktionsweise nachweisen würden.

FDP: Einstellung eines Wirtschaftsförderers

Wirtschaftsförderung müsse in Olsberg zu einem Prozess werden, appellierte FDP-Fraktionschef Dominik Stahl. In einem ersten Schritt solle ein Wirtschaftsförderer eingestellt werden. Dessen Tätigkeit könne ein Arbeitskreis begleiten - ausdrücklich sei aber erwünscht, dass der Wirtschaftsförderer auch eigene Ideen einbringe und Konzepte entwickele. Die unterschiedlichen Ansichten in konzeptionellen Fragen hinderten die Ratsmitglieder aber nicht, sich auf einen gemeinsamen Kurs zu verständigen:

Auf Vorschlag von Bürgermeister Wolfgang Fischer solle eine Stabsstelle für die Wirtschaftsförderung in Olsberg eingerichtet werden. Basis dafür werden die Handlungsfelder in der Analyse von „Modul-drei“ - unter besonderer Berücksichtigung des produzierenden Gewerbes. Auch der Aspekt der Nachhaltigkeit solle in der Arbeit der Wirtschaftsförderung eine bedeutende Rolle spielen. Zudem beauftragte der Rat die Stadtverwaltung, sich Gedanken über die Strukturen einer künftigen Wirtschaftsförderung zu machen und auch die Möglichkeiten von Fördermittel zu prüfen. In einem nächsten Schritt sollen nun für das Jahr 2023 entsprechende Haushaltsmittel bereitgestellt werden.